Boom Weekly: đŸ˜± Die Obsession mit der Rezession

6.7.2022

Inflation in Eurozone steigt weiter  |  EU-Embargo treibt Öl-Preise an  |  Meta hört mit Audio auf  |  China-Aktien raus aus der QuarantĂ€ne |  Gold > Euro  |  Kommt jetzt die Rezession?

3. Juni

Das war diese Woche wichtig

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Die Inflation in der Eurozone hat im Mai 8,1% erreicht - und damit einen neuen Höchstwert. Insbesondere Energie war Preistreiber und stieg um satte 39,2%.

Unsere EinschĂ€tzung: Alles dreht sich derzeit um Inflation. Und wie die Zentralbanken auf sie reagieren. Die EZB plant mit Zinserhöhungen im Juli und September gegenzusteuern, um die Nachfrage zu senken. FĂŒr viele Beobachter ist dieser Schritt lĂ€ngst ĂŒberfĂ€llig. Und trotzdem stellt sich die Frage, inwieweit die EZB in der Lage sein wird, ihre Geldpolitik zu straffen.

Denn klar ist auch: Wenn die Zinsen steigen, werden hochverschuldete Staaten der Eurozone - man denke an Italien mit 150% Staatsverschuldung des BIP - zunehmend Schwierigkeiten haben, ihre Schulden zu bedienen.

Zwar lautet das vorrangige Ziel der EZB PreisstabilitĂ€t. Doch ihr implizites Ziel ist die Bewahrung der GemeinschaftswĂ€hrung Euro. Und zwar um jeden Preis, wie Mario Draghi es einst formulierte. In diesem Sinne bleibt die GrĂ¶ĂŸe des Spielraums fĂŒr geldpolitische Straffung zumindest fraglich.

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2.

A propos Inflation: Die Ölpreise sind diese Woche scharf angezogen, nachdem die EU sich auf ein teilweises Embargo russischen Öls geeinigt hatte. So schoss der Preis fĂŒr Rohöl der Marke Brent auf ĂŒber $120.

Unsere EinschĂ€tzung: In Deutschland versucht die Bundesregierung den hohen Ölpreisen etwa mit einem Tankrabatt, also einer Senkung der Kraftstoffsteuern, zu begegnen. Das mag fĂŒr kurzfristige Entlastung bei den Verbrauchern sorgen, löst aber nicht das Kernproblem des fehlenden Angebots. Und dĂ€mpft natĂŒrlich auch nicht die Nachfrage.

Da die Covid-Zahlen in China wieder fallen, wird die Ölnachfrage aus Fernost vermutlich bald wieder anziehen. Kombiniert man diesen Umstand mit der News von Freitag, dass die Organisation erdölexportierender LĂ€nder (OPEC) ihre Fördermengen nur marginal anhebt, so scheint mit bald fallenden Energiepreisen kaum zu rechnen zu sein.

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3. Meta, frĂŒher bekannt als Facebook, hat in dieser Woche ihre Podcast-Plattform eingestampft sowie weitere Audio-Dienstleistungen umstrukturiert. Der Audio Hub wurde im April 2021 gelauncht und galt als Antwort auf die hohe PopularitĂ€t von Podcasts und Live-Audio Services wie etwa Clubhouse. Trotz Facebook's immenser Nutzerzahlen konnten die neuen Audio-Angeboten sich allerdings nie durchsetzen.

Unsere EinschĂ€tzung: Im Audio-Markt tummeln sich zahlreiche starke Player. Gegen Spotify und Apple hat Meta hier nun den KĂŒrzeren gezogen. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende, mag man denken, und gratuliert Meta zu diesem konsequenten Schritt.

Der Fokus wird nun im Kernprodukt ganz auf Kurz-Videos und damit dem Wettbewerb mit der App-du-jour TikTok liegen. Ob das gelingt, wird sich zeigen. Ebenso ob die Wette auf das Hypethema Metaverse aufgeht. Der angekĂŒndigte Abschied der langjĂ€hrigen Star-COO Sheryl Sandberg in dieser Woche mag zumindest darauf verweisen, dass der Wind of Change bereits durch GĂ€nge des Meta-Headquartes in Menlo Park weht.

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4. Chinesische Tech-Aktien legten diese Woche zu, nachdem der zweimonatige Lockdown in Schanghai aufgehoben wurde. Angetrieben wurde das positive Sentiment zudem durch ein solides Umsatzwachstum des Ecommerce-Giganten Alibaba.

Unsere EinschĂ€tzung: China bleibt ein schwer einzuschĂ€tzender Fall. Auf der einen Seite gibt es das Potential: Den riesigen Markt mit seinen starken und zurzeit gĂŒnstig bewerteten (Tech-)Unternehmen. Auf der anderen Seite gibt es die Risiken: Die Null-Covid-Politik, die massiven regulatorischen Markteingriffe, der Taiwan-Konflikt, die Menschenrechtsverletzungen - und das alles vor dem Hintergrund eines zunehmenden Deglobalisierungstrends.

Vorsicht scheint angebracht.

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Charts, die uns grĂŒbeln lassen

Quelle: Incrementum

Die Kollegen von Incrementum rufen uns in ihrem aktuellen In Gold We Trust-Report in Erinnerung, dass Inflation nicht nur Preissteigerung, sondern im Umkehrschluss Geldentwertung bedeutet. So hat man seit Bestehen des Euro noch nie so wenig Gold pro Euro erhalten wie zurzeit.

Die EZB mĂŒsste ihre Geldpolitik schon gehörig straffen, um an diesem Trend etwas zu verĂ€ndern. Aber ist damit - trotz absehbarer Zinserhöhung - wirklich zu rechnen?

‍Allen Unkenrufe zum Trotz scheint Gold seine jahrtausendealte Rolle als Wertaufbewahrung weiterhin glĂ€nzend zu spielen.

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Wort zum Wochenende

Quelle: Imgflip, Lyn Alden

Die gute Nachricht zuerst: Dem deutschen Arbeitsmarkt geht's - trotz zahlreicher Stellenstreichungen bei Tech-Startups diese Woche - blendend. Die Arbeitslosigkeit sank den 15. Monat in Folge. Befragungen zeigen, dass die meisten Unternehmen weiter einstellen wollen. Der FachkrÀftemangel bleibt hoch. Das gleiche Bild zeigt sich in den USA.

Also alles bestens - oder doch nicht?

Nun, zunĂ€chst erinnern wir uns dunkel zurĂŒck an unseren Uni-Volkswirtschaftskurs und den Umstand, dass die Arbeitslosigkeit erst dann steigt, wenn die Rezession bereits in vollem Gange ist.

Quelle: St. Louis Fed; graue FlÀchen stellen Rezessionen dar

Die gute Arbeitsmarktlage ist vergleichbar mit der sprichwörtlichen Ruhe vor dem Sturm.

Denn Fakt ist: Wir haben extrem hohe Energie- und Lebensmittelpreise, die mittlerweile wirklich jeder in der Brieftasche spĂŒrt. Wir haben einen extrem heiß gelaufenen Arbeitsmarkt und vermehrte Forderungen der Gewerkschaften nach Lohnerhöhungen, um die Preissteigerungen zu kontern. Wenn die Unternehmen allerdings die Löhne erhöhen, erhöhen sich die Kosten. Das mindert die Gewinne und fĂŒhrt tendenziell zu weiter steigenden Verbraucherpreisen: Die berĂŒhmte Lohn-Preis-Spirale.

Worauf lÀuft's dann also hinaus? Vermutlich auf persistente Inflation und aggressive Zinserhöhungen der Zentralbanken.

Dabei versuchen die Zentralbanken eine weiche Landung hinzubekommen, also die GeldhÀhne nur soweit zuzudrehen, um die Inflation abzusenken, aber nicht so sehr, um in eine Rezession zu schlittern.

Ob diese Quadratur des Kreises gelingt, darĂŒber kann man sich nun die Köpfe zerbrechen. Wenige Beobachter glauben, dass eine Rezession unmittelbar bevor steht. Aber viele glauben, dass sie sich fĂŒrs kommende Jahr bereits abzeichnet.

Der Abverkauf bei den Aktien, allen voran den Tech-Werten, ist Ausdruck steigender Zinsen, aber auch Zeichen der GefĂŒhlslage der Investoren.  Preisen Anleger den Wachstsumseinbruch bereits ein?

Aber zumindest bei diesem Indikator bleibt Vorsicht geboten. Denn wie NobelpreistrĂ€ger Paul Samuelson mal so schön scherzte: Der Aktienmarkt hat neun der letzten fĂŒnf Rezessionen vorhergesagt.

Vielleicht haben wir also GlĂŒck und landen schließlich sanft in einer nahen, schönen Zukunft höherer Zinsen, normalisierter Bewertungen und einer florierenden Wirtschaft. Man wird ja noch trĂ€umen dĂŒrfen.

Dein Boom-Team

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