Boom Weekly: 👋 Da svidanja, Ronald McDonald

6.7.2022

Blue Chips im freien Fall  |  Der Lebensmittelmangel spitzt sich zu  |  McDonald's verĂ€ußert RusslandgeschĂ€ft  |  Wiederholt der Nasdaq seine Performance von 2001 und 2008?   |  Short $MELVIN

Freitag, 20. Mai, 12:47

Das war diese Woche wichtig

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Die MĂ€rkten rasselten auch diese Woche weiter nach unten, allen voran die amerikanischen Indizes. So fiel etwa der S&P 500 um weitere 4% und verzeichnete damit seinen grĂ¶ĂŸten Drop seit knapp zwei Jahren. Der NASDAQfiel um 4,7%.

Insbesondere die Handelsunternehmen Target und Walmart litten. Target verlor ca. 25% (!) seines Börsenwerts, nachdem es steigende Kosten im Zuge unterbrochener Lieferketten und hoher Inflation vermeldet hatte (höchster Verlust seit dem so genannten "Schwarzen Montag" im Jahr 1987).

‍Walmart erging es Ă€hnlich. Hohe Lebensmittelpreise hĂ€tten die Gewinne maßgeblich geschmĂ€lert, hieß es.

Und selbst fĂŒr Amazon und Apple ging es um je mehr als 5% nach unten.

Unsere EinschĂ€tzung: Die Kursrutsche setzen sich fort. Vermehrt sind nun auch Blue Chips, also eigentliche sichere Großunternehmen, wie Apple oder Walmart betroffen. Die Botschaft scheint klar: Derzeit gibt es kaum einen sicheren Hafen. Eine signifikante Cash-Position ist trotz nach wie vor hoher Inflation derzeit eine Überlegung wert. Es könnte das kleinere Übel im Portfolio sein.

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2.

Die globalen Weizenpreise stiegen diese Woche stark nachdem Indien, weltweit zweitgrĂ¶ĂŸter Produzent, die Ausfuhren aufgrund hoher inlĂ€ndischer Lebensmittelpreise gestoppt hatte.

UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres warnte vor einem weltweitenLebensmittelmangel im Zuge des Ukrainekriegs. Er rief dazu auf, die Getreideausfuhren aus ukrainischen HĂ€fen sowie den freien Handel mit russischen Lebens- und DĂŒngemitteln zu ermöglichen.

Unsere EinschÀtzung: Die Rohstoffpreise bleiben aufgrund der aktuellen Krisen (Ukraine, Covid, Klima) hoch. Nachdem in den letzten Wochen die Energiepreise im Mittelpunkt der Debatte standen, kommen nun zunehmend die Lebensmittelpreise in den Fokus.

Kein Wunder: Russland und die Ukraine liefern zusammen 12% aller weltweit verbrauchten Kalorien, darunter bspw. 28% des globalen Weizens sowie 75% des Sonnenblumenöls. Ukrainische Lebensmittelexporte ernĂ€hren ca. 400 Mio. (!) Menschen, insbesondere in Libanon, Ägypten, Tunesien und Libyen.

Wenn der Ukrainekrieg weiter andauert, kann das weiteren Auftrieb fĂŒr die Agrarpreise bedeuten. Normalerweise gilt, dass die Heilung fĂŒr hohe Preise hohe Preise selbst sind. Auf vieles können die Menschen verzichten, wenn es sein muss. Auf Essen allerdings nicht.

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3. McDonald's zieht sich nach rund 30 Jahren Betrieb nun endgĂŒltig aus Russland zurĂŒck. "Die Goldenen Bögen werden nicht mehr in Russland erstrahlen", teilte CEO Chris Kempczinski via Email an die McDonald's Belegschaft mit. Ein KĂ€ufer fĂŒr die 850 Restaurants ist bereits gefunden. Zum Kaufpreis wurde nichts bekannt.

Unsere EinschĂ€tzung: McDonald's RĂŒckzug ist ein weiterer Indikator fĂŒr den rapiden Vertrauensverlust Russlands in der Weltgemeinschaft. Solange der Ukrainekrieg andauert, wird sich das Klima weiter verschlechtern. Die Vorstellung fĂ€llt uns schwer, wie Russland unter dem aktuellen Regime jemals wieder ein Investment-Case werden könnte. Wir halten die Entwicklungen im Blick.

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Charts, die uns grĂŒbeln lassen

Quelle: Michael Batnick

Der Nasdaq 100 wird diese Woche aller Voraussicht nach seinen siebten wöchentlichen RĂŒckgang in Folge haben. Acht wöchentliche RĂŒckgĂ€nge in Folge gab es bisher erst zwei mal:

  1. In 2001 zum Dotcom-Crash
  2. In 2008 wÀhrend der Globalen Finanzkrise

Was passierte jeweils als nÀchstes?

Nach einem sogenannten Dead Cat Bounce, in jenen FĂ€llen also einem Wiederanstieg um rund 10%, fiel der Nasdaq abermals um 40%...

Ist ein Einstiegszeitpunkt gekommen? Aus unserer Sicht kann man sich nach wie vor die Finger verbrennen, daher bleiben wir vorsichtig.

Zumindest so lange die Zentralbanken nicht wieder ihre Fluttore öffnen - oder wenigstens darĂŒber sprechen.

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Wort zum Wochenende

Quelle: Tendie Baron

Melvin Capital ist nun endgĂŒltig Geschichte. Der Hedge Fund von Wall Street Wunderkind Gabe Plotkin teilte seinen Klienten diese Woche mit, dass der Fonds abgewickelt werden wĂŒrde.

Was war geschehen?

Melvin Capital war bis 2021 mit einer Performance von jĂ€hrlich 30% einer der erfolgreichsten Hedge Funds der Wall Street. GrĂŒnder Gabe Plotkin galt als großes Talent und einer der besten Geldmanager in der Hedge Fund-Branche. Insbesondere erfolgreiches Short Selling brachten Plotkin den Erfolg.

Doch Wetten gegen Schrottunternehmen gehen nur so lange auf, wie sich keine eingeschworene Web-Community gegen dich verbĂŒndet. Doch genauso kam es im Januar 2021, als die Reddit-Community r/wallstreetbets dazu aufrief, Melvin's Short Positionen auf Unternehmen wie Gamestop durch gegenteilige Long Positionen zu kontern. Die schiere Anzahl an Long Positionen fĂŒhrte auf Seiten Melvin's zu einem Short Squeeze, also dem explosionsartigen Preisanstieg aufgrund fehlschlagender LeerverkĂ€ufe.

Einfach gesagt: Melvin hielt Gamestop fĂŒr ein schlechtes Unternehmen und wettete dagegen. Wallstreetbets hielt Melvin fĂŒr einen fiesen Hedge Funds und setzte auf Gamestop, um Melvin zu Fall zu bringen.

Das Resultat: Melvin Capital schloss das Jahr 2021 mit einem Verlust von 39,3% ab. In diesem Jahr steht bisher ein Verlust von 23% zu Buche. Da waren die Erfolge der vorangegangen Jahre schnell vergessen. Und das Ende von Melvin Capital nunmehr besiegelt.

Was lernen wir daraus?

Dass mit schwarzen SchwĂ€nen immer zu rechnen ist. Als Geldmanager kann man noch so schlau sein, aber das Risiko extremer Verluste, mögen sie noch so unwahrscheinlich sein, bleibt. Wie damit umgehen? Mit gutem Risikomanagement auf jeden Fall. Und mit einem neuen Faktor im Risikomodell: Risiko, dass eine Online-Community a) deine geshortetes Unternehmen unterstĂŒtzt, b) sich gegen dich verschwört.

Zum GlĂŒck haben wir nicht vor, Unternehmen zu shorten.

Dein Boom-Team

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