Boom Weekly: 💧 Wie lang geht's noch nach unten?

6.7.2022

Die Fed erhöht die Schlagzahl  |  Das Engagement der EZB kennt keine Grenzen  |  BP erneuert seine Energien  |  Wie weit geht's noch nach unten?  |  Wie man Geld verdient

10. Juni

Das war diese Woche wichtig

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Die Fedstrafft weiter. Um 0,75% hat sie diese Woche ihren Leitzins erhöht. Das war der höchste Sprung seit 1994. UrsprĂŒnglich war nur eine Erhöhung von 0,5% erwartet worden. Die Fed reagiert damit auf die weiterhin extrem hohe Inflation (wir hatten letzte Woche 8,3% erwartet, tatsĂ€chlich lag der Wert schließlich bei 8,6%).

Die MÀrkte reagierten am Mittwoch zunÀchst erleichtert. Man vernahm, es sei gut, dass die Fed sich der Inflation nun ernsthaft annehme. Allerdings ging es am Donnerstag gleich weiter nach unten. Der S&P 500 ist nun per gelÀufiger Definition offiziell in einem BÀrenmarkt (minus 20% seit Höchstwert).

Und auch viele Crypto-Werte rasselten nach unten. Nachdem Tether's USDT im Mai bereits fĂŒr Schlagzeilen gesorgt hatte (wir berichteten), "pausierte" Crypto-Plattform Celsius diese Woche alle Auszahlungen. Der Bitcoin-Preis sank um ĂŒber 20% innerhalb weniger Tage. Der Marktwert aller Crypto-Assets liegt mittlerweile bei unter 1 Milliarde USD (im November noch bei 3,2 Milliarden USD).

Unsere EinschĂ€tzung: Der Markt bleibt von LiquiditĂ€t, sprich đŸ’”, getrieben. Und die zieht der grĂ¶ĂŸte Versorger von LiquiditĂ€t, die amerikanische Zentralbank, gerade ab. Wie lang kann das noch so weiter gehen? Tja, vermutlich eine ganze Weile.

Die Fed strebt einen positiven Realzins an. Bei einer Inflation von 8,6% und einem Leitzins im Bereich 1,5-1,75% ist das Realzins aber immer noch extrem negativ. D.h. die Fed wird a) weiter straffen, um b) die Nachfrage zu senken, so dass c) die Inflation sinkt und wir somit d) wieder positive Realzinsen bekommen.
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Klingt vielleicht kompliziert. Ist es auch. Vor allem in der Umsetzung. Ob die Fed eine "weiche Landung" schafft, also Zinserhöhungen und Senkung der Nachfrage ohne Rezession, bezweifeln wir.
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FĂŒr Anleger bedeutet das: Nur Bares ist Wahres. In praktisch keiner Anlageklasse scheint man derzeit sicher. Wer kann zieht also Cash in Betracht und macht sich einen schönen, langen Sommer. Möglichst ohne die tĂ€glichen Kursschwankungen zu genau zu verfolgen.

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2.

Die EZB hat diese Woche eine Notfall-Sitzung abgehalten und darin die Folgen ihrer geplanten Zinserhöhungen fĂŒr die Staatsschulden der Euro-LĂ€nder besprochen. Durch Leitzinsen jenseits der 0% kommen hochverschuldete Staaten wie Italien unter Druck (s. letztwöchiges Wort zum Wochenende).

Am Dienstag hatte EZB-Direktorin Isabel Schnabel das Bekenntnis der EZB zur Bewahrung des Euro bestÀrkt: "Unser Engagement kennt keine Grenzen." (engl. Original: "This commitment has no limits.")

Unsere EinschÀtzung: "This commitment has no limits" (Schnabel) finden wir fast so schön wie "the ECB is ready to do whatever it takes" (Draghi).

In jedem Fall beweist die EZB eine konstante Haltung: Die Bewahrung des Euro hat (implizite) PrioritÀt. Auch wenn das bedeutet, selektive Staatsfinanzierung zu betreiben.

So dĂŒrfte die EZB weiter italienische Staatsanleihen kaufen, um Italien's Schuldenlast kĂŒnstlich gering zu halten. Deutsche oder niederlĂ€ndische allerdings nicht. Der Leitzins steigt, das Anleihenkaufprogramm lĂ€uft aus. Aber wohl nicht so ganz. Eine Straffung der zwei Geschwindigkeiten?
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Dem Wert des Euro wird das nicht helfen. Die ParitĂ€t zum Dollar (derzeit €1,06 wert) kommt in Schlagweite.

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3. Der Energiekonzern BP hat sich eine 40,5%-Beteiligung an Asia Renewable Energy Hub geschnappt, einem ambitionierten Projekt fĂŒr erneuerbare Energien in Australien. Laut Mitteilung könnte eines der weltweit grĂ¶ĂŸten Projekte fĂŒr Wind- und Solaranlagen mit einer Leistung von bis zu 26 Gigawatt entstehen (das entsprĂ€che ca. 17 Atomkraftwerken und Energie fĂŒr ca. 60 Mio. Haushalte).

Unsere EinschÀtzung: Die Energieunternehmen sind so etwas wie die einsamen Aktien-Champions zurzeit. Sie profitieren von den hohen Energiepreisen und können so die Umstellung auf erneuerbare Energien finanzieren.
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Das mĂŒssen sie auch, denn der Druck auf die Unternehmen, auf Grund des Klimawandels ihre Energiequellen umzustellen, wĂ€chst.

Über Energieunternehmen könnten wir angesichts der aktuellen Lage ganze AufsĂ€tze schreiben. Aber wir fokussieren uns aufs Wesentliche:
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In den letzten Monate waren Energieunternehmen praktisch die einzigen gut laufenden Aktien. Trotz bereits hoher Ölpreise ist Entspannung auf der Angebotsseite aufgrund von Ukrainekrieg und fehlender Investitionen in fossile Explorationen kaum zu erwarten. Dadurch werden die Gewinne fĂŒrs erste wohl weiter sprudeln.

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Charts, die uns grĂŒbeln lassen

Quelle: Wallstreetsilver @ Reddit

Es zeichnete sich ja bereits seit Wochen ab, nun ist der BĂ€renmarkt im S&P 500 nach Überschreitung der symbolischen -20% Linie offiziell (derzeit minus 23%).

Wenn wir vergangene BĂ€renmĂ€rkte als Maßstab heranziehen, so muss mit weiteren Aktien-AbverkĂ€ufen gerechnet werden.

Der aktuelle BÀrenmarkt dauert nun bereits 160 Tage - weit mehr als die Covid-Schock-Periode im MÀrz 2020, die nur 33 Tage dauerte. In der globalen Finanzkrise ging es indes 517 Tage in Folge kursabwÀrts.

Den Tiefpunkt vorherzusagen, dafĂŒr fehlt uns (und jedem anderen seriösen Marktbeobachter) die Kristallkugel.

Die persistent hohe Inflation und damit einhergehende LiquiditĂ€tsverknappung dĂŒrfte aber wohl darauf hinweisen, dass die rote Linie im Chart noch weiter nach rechts unten wandern dĂŒrfte.

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Wort zum Wochenende

Quelle: Douglas A. Boneparth

Geld machen war 2020-2021 recht einfach. Die Fed hat es "gedruckt". Und uns Normalsterblichen oblag es dann, in einen beliebigen Tech-Wert, Crypto-Token oder Meme-Stock zu investieren und sogleich dem Geld beim wachsen zuzuschauen.

Der Internet-Promi Dave Portnoy aka "Davey Day Trader" schrieb sich im Juni 2020 in die spekulativen GeschichtsbĂŒcher ein, indem er in einem Live-Streammithilfe von Scrabble-Buchstaben ein zufĂ€lliges Ticker-Symbol - in diesem Fall $RTX - erstellte und sogleich, ohne etwas ĂŒber $RTX zu wissen, $200,000 Dollar in das dahinter stehende Unternehmen Raytheon Technologies investierte. Seine zugrunde liegende Überlegung? Aktien wĂŒrden ausschließlich nach oben gehen ("stocks only go up").

In dieser Woche konnten wir das PhÀnomen des einfachen Geldes von einer weiteren Seite betrachten. Der Transaktionsstopp bei Celsius erinnert uns daran, dass "bis zu 3% Zinsen" auf bei Celsius eingelagerte Bitcoins eben auch nicht risikofrei sind.

Passend dazu hat Coinbase diese Woche 18% der Belegschaft entlassen. Die $COIN-Aktie notiert zurzeit 88% unter Höchstwert...

Die Zeiten des einfachen Geldes sind fĂŒrs erste vorbei. Anleger sind die Welle geritten und nun ist sie gebrochen. Was beruhigt: Die nĂ€chste Welle kommt bestimmt, denn die MĂ€rkte schwanken stĂ€ndig zwischen Manie und Depression. Nach den manischen Jahren 2020-2021 zeigt sich 2022 nunmehr der TrĂŒbsinn.

Was im Tal der TrĂ€nen hilft? Vielleicht einfach mal das Auf und Ab zu vergessen und das Wochenende zu genießen. Deutschland steht ein sonniges bevor.

Yolo.

Quelle: Adam Singer

Dein Boom-Team

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