Boom Weekly: đŸ€ Lagarde wagt das Zinswendchen

6.7.2022

Die EZB bleibt flexibel  |  Inflation rund um die Welt  |  Elon Musk und die 40-Stunden-Woche  |  $APPL macht BNPL  |  Rohstoffe > Cathie Wood  |  Was die EZB-Entscheidung fĂŒr das Haus Europa bedeutet

10. Juni

Das war diese Woche wichtig

1

Wie erwartet, so geliefert: Die EZB hat angekĂŒndigt, die Leitzinsen in der Eurozone um 0,25% anzuheben sowie ihr Anleihenkaufprogramm zu beenden. Mit dieser geldpolitischen Straffung will die EZB der anhaltend hohen Inflation entgegen wirken.

Unsere EinschÀtzung: Die Zinserhöhung ist die erste seit elf Jahren und damit eine ZÀsur in der EuropÀischen Geldpolitik. Trotzdem scheint der Zinsschritt zu spÀt zu kommen.

Wie auch beim großen Bruder, der Fed, hat die EZB die Inflation unterschĂ€tzt und lange als "vorĂŒbergehend" abgetan. Nun muss sie die GeldhĂ€hne in einer Zeit zudrehen, in der Europa von LieferengpĂ€ssen, hohen Energiepreisen, Krieg und einhergehendem schwachen Wachstum gebeutelt ist. Eine Rezession zeichnet sich ab.

Dementsprechend janusköpfig liest sich die offizielle Mitteilung der EZB. Das Wort "flexibel" taucht in dem kurzen Text gleich fĂŒnf mal auf.

Die EZB hĂ€lt sich also alle TĂŒren auf. Und das muss sie auch, wenn der Balanceakt von PreisstabilitĂ€t auf der einen und Euro-Garantien auf der anderen Seite gelingen soll. (mehr dazu im Wort zum Wochenende).

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2.

FrĂŒher war alles billiger: Auch diese Woche mĂŒssen wir ĂŒber Inflationberichten.

Ökonomen erwarten eine 8,3% Preissteigerung gegenĂŒber dem Vorjahr in den USA.

‍Indien und Australien reagieren auf die anhaltend hohe Inflation mit Zinsschritten.

Und in der TĂŒrkei steht die Inflation bei 73,5%. (Allerdings hat man/PrĂ€sident Erdogan sich dort dazu entschieden, die Zinsen - die "Mutter allen Übels" (Erdogan) - zu senken, anstatt zu erhöhen... ob es hilft?)

Unsere EinschĂ€tzung: Die Hoffnung, dass der inflationĂ€re Höhepunkt erreicht sei und es nun so langsam wieder nach unten gehe, hat sich nicht erfĂŒllt. Vielmehr gleicht der Höhepunkt eher einem Hochplateau: Es geht erstmal nicht weiter nach oben, aber verdammt hoch ist es trotzdem.

Ein Grund dafĂŒr: Da die ArbeitsmĂ€rkte in vielen entwickelten LĂ€ndern weiter robust bleiben, zeichnet sich eine Lohn-Preis-Spirale ab. Höhere Löhne werden fĂŒr höhere Konsumentenpreise im Dienstleistungsbereich sorgen. Das wird die Kerninflation (hier werden Lebensmittel und Energie herausgerechnet) weiter antreiben.

Die Preise werden somit fĂŒrs erste weiter steigen. Dass die Zentralbanken mit weiteren Zinserhöhungen reagieren, scheint absehbar.

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3. Neues von Elon Musk: Der Twitter-Deal scheint zunehmend auf wackligen FĂŒĂŸen zu stehen. Elon hat nun formell Beschwerde eingereicht, um Daten ĂŒber mögliche Fake-Accounts von Twitter zu erhalten.

Zudem denkt Elon ĂŒber Stellenstreichungen bei Tesla nach, da er ein "super bad feeling" ĂŒber die derzeitige Wirtschaftslage habe.

Unsere EinschĂ€tzung: Seit der AnkĂŒndigung zum Twitter-Übernahme-Deal hat die Aktie rund 20% ihres Werts verloren. Ein Schelm, wer Böses denkt, aber vielleicht sucht Elon nur nach einem Weg, um in letzter Minute aus dem Deal auszusteigen?

Was Tesla angeht, so war der grĂ¶ĂŸte Aufreger diese Woche wohl weniger das GerĂŒcht der Stellenstreichungen, sondern vielmehr Elon's geleakte Email, dass der Chef seine Mitarbeiter ab sofort wieder mindestens 40 Stunden im BĂŒro erwartet.

Vermutlich verringert der Anwesenheitszwang die BeschÀftigenanzahl bei Tesla von alleine - und das dann ganz ohne Abfindungen.

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4. Apple's alljÀhrliche Entwicklerkonferenz hatte nicht viel Aufregendes zu bieten. Allerdings gab das Tech-Schwergewicht den Launch eines Buy-now-pay-later-Dienstes bekannt. Dieser wird es Kunden ermöglichen, Apple-Produkte in zinsfreien Wochenraten zu bezahlen.

Unsere EinschĂ€tzung: Mit seinem Vorstoß in den nach wie vor heiß umkĂ€mpften BNPL-Markt untermauert Apple seinen Anspruch, Wachstum vor allem mit Dienstleistungen zu generieren.

Da Apple's Kriegskasse mittlerweile $200 Milliarden betrÀgt, scheint das Unternehmen die Finanzierungen selber zu stemmen und aus der Portokasse bezahlen zu können.

Das alte Totschlagargument gegenĂŒber Startups, "what if [insert random FAANGM-stock] does it?, bewahrheitet sich in diesem Fall. Und selbst Grownups wie Klarna, Affirm oder Block's Afterpay sollten alarmiert sein.

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Charts, die uns grĂŒbeln lassen

Quelle: Charlie Bilello @ Compound Advisors

Irgendwo gibt es immer einen Bullenmarkt. In den letzten zwölf Jahren waren es die Tech-Aktien (stellvertretend dafĂŒr im Chart Cathie Wood's ARK Innovation ETF). In den letzten 16 Monaten die Rohstoffe (= Commodities).

Charlie Bilello erinnert uns an Jack Bogle's (Erfinder des Index-Funds) Sentenz, dass die RĂŒckkehr zur Mitte eiserne Regel der FinanzmĂ€rkte sei.

Anders gesagt: Was hoch geht, geht auch wieder runter. Was runter geht, geht auch wieder hoch.

‍Die Frage ist nun: Sind die 20er das Jahrzehnt der Rohstoffe, nachdem die 10er das Jahrzehnt der Tech-Aktien war? Oder kehrt alles schon wieder viel frĂŒher zur "Mitte" zurĂŒck?

‍Die Frage der Zeit bleibt zentral. Im Leben wie an den MĂ€rkten.

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Wort zum Wochenende

Quelle: Credit from Macro to Micro

Madame Lagarde hat gesprochen und die Zinsen erhöht. Und dabei versprochen, unter jeden Stein zu schauen, um herauszufinden, warum die Inflation jetzt eigentlich so hoch ist. Obwohl die Inflation ja eigentlich nur "vorĂŒbergehend" sein sollte. Bei der EZB arbeiten immerhin hunderte Ökonomen erster GĂŒteklasse. Warren Buffett hat einmal gesagt, dass jeder Ökonom, der bei einem Unternehmen arbeite, einer zu viel sei. Gut, dass die EZB kein Unternehmen ist.

Wir sind ehrlich: Wir wĂŒrden nicht mit den Zentralbankern tauschen wollen. Wie bereits letzte Woche bemerkt, versuchen die WĂ€hrungshĂŒter sich an der Quadratur des Kreises: Inflation senken ohne Wachstum zu bremsen oder ArbeitsplĂ€tze zu vernichten. Ein unfassbar komplexer Job.

Die Herausforderung der EZB ist dabei im Grunde die Quadratur des Kreises zum Quadrat: Sie muss nicht nur die Inflation senken etc, sondern implizit auch die Existenz des Euro sichern.

Denn wenn die Zinsen steigen, haben hochverschuldete LĂ€nder zunehmend Schwierigkeiten, ihre Zinszahlungen zu leisten. Und da es im Euroraum ja immer noch keine gemeinsamen Staatsanleihen (Eurobonds) gibt, fĂŒhrt ein steigender Leitzins dazu, dass der Schuldendienst fĂŒr LĂ€nder wie Italien (mit ihren Staatsanleihen namens BTP) irgendwann untragbar wird.

Vor diesem Hintergrund ergibt die von der EZB ausgerufene FlexibilitÀt hinsichtlich der nÀchsten geldpolitischen Schritte viel Sinn.

Die EZB wird ihrem Motto "whatever it takes" in Bezug auf den Euro treu bleiben. Und das mag bedeuten, dass sie gezielt italienische Staatsanleihen kaufen wird, wenn deren Zinsen aus dem Ruder laufen und Italien der Staatsbankrott droht.

Geldpolitische Straffung ja, aber irgendwie auch nur so halb.

Das passt natĂŒrlich ins Bild: Die WĂ€hrungsunion besteht durch den Euro, aber ohne gemeinsame Fiskalpolitik ist das eben auch nur so eine halbe Sache.

Das große Haus Europa - man lebt dort gerne, aber das Dach ist noch nicht fertig, manchmal regnet es rein und es gibt einfach immer was zu tun.

Dein Boom-Team

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